ZDFzoom und der rechtsfreie Raum Internet

Das ZDF hat in den letzten Wochen das neue Format „ZDFzoom“  in seinem Programmschema untergebracht. Unter diesem Namen sollten Dokumentationen, die einst tief in der Nacht oder auf Spartenkanälen versteckt waren, prominent am Mittwoch Abend im Hauptprogramm gezeigt werden (siehe DWDL-Meldung). Das ZDF will damit seinem Auftrag auf anspruchsvolles Fernsehen gerecht werden. Mehr als eine Absichtserklärung scheint es allerdings nicht zu sein, wie man an der gestrigen Ausgabe von ZDFzoom gesehen hat.

ZDFzoom brachte gestern Abend die Sendung „Hilfe, ich bin nackt!“ (nachzusehen in der Mediathek des ZDF). Die Sendung wollte dokumentieren, was wir (unbescholtenen) Bürger und ZDF-Zuschauer im Netz über uns preisgeben und andere mit diesen Daten anfangen können. In den Zeiten der Datenschutzskandale ein durchaus interessantes Thema, das sicherlich abendfüllend wäre, wenn sich mit dem Thema differenziert auseinandersetzen wollte.

Doch dafür ist in 29 Minuten keine Zeit, deshalb versuchte das ZDF in diesem hippen Format, mit der betroffenen jungen Moderatorin auch gar nicht. Stattdessen wurde kontinuierlich ein Bedrohungsszenario gestrickt, das dem der Zuschauer nur einen Schluss offen ließ: Das Internet ist Teufelszeug. Oder wie ein städtischer Standesbeamte unwidersprochen am Ende sagen durfte: „Das Internet ist ein rechtsfreier Raum, das weiß doch jeder“.

Das ZDF analyiserte in der Sendung das Verhalten eines entfernten Bekannten der Moderatorin und setzte zweifelhafte Profiling-Methoden an, um dessen Spuren im Netz aufzuspüren und zu werten. Regelmäßig wurde darauf hingewiesen, dass der Betroffene seine Daten freiwillig ins Netz gestellt habe. Für das ZDF blieb es trotzdem „ungeheuerlich“ was man so alles über der jungen Mann im Netz finden konnte.

Entsprechend irritierend auch die Reaktion der Moderatorin, als sie den Betroffenen vor eine Wand mit seinen öffentlichen Inhalte stellte und in dem reisserisch-betroffenen Ton, der sich durch die ganze (platte) Sendung zog fragte: „Ist beängstigend das zu sehen?“ Seine spontane und ehrliche Reaktion auf die Anstrengungen des ZDF sein Social Life auszudrücken: „Nee, ist super!“

Das passte nur leider so gar nicht in das Konzept der Sendung und wurde auch nicht weiter thematisiert. Es verwundert wenig, dass der vom ZDF „gestalkte“ sich über die Sendung prompt öffentlich in seinem Blog enttäuscht zeigte. Auch die in der Sendung präsentierten Professoren waren nicht überzeugend, wie der Kollege Zöttl zurecht anmerkt.

Das ZDF hat es vorgezogen eine halbe Stunde lang ein Bedrohungs- und Gefahrenszenario aufzubauen, dass an den meisten Stellen mehr als gekünstelt war, statt sich mit der eigentlich Frage zu beschäftigen: Warum gehen moderne Menschen ins Internet und geben soviele Informationen über sich preis?

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

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  2. Schön, dass es hier schon steht, ich hab die Sendung zufällig am10.10.2011 gesehen und der Standesbeamte sagt immer noch:“Das Internet ist ein rechtsfreier Raum, das weiß doch jeder”.
    Und ein Jurist sagt etwas von einer höchstens „einseitigen AGB“ auf dem Monitor und beruft sich auf ein BTX-bezogenes Gerichtsurteil – naja, ich weiß nicht …

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besonders feine footnotes