Ein innerer Reichsparteitag löst einen Sturm im Wasserglas aus

Das ZDF hätte es eigentlich wissen müssen. Frauen und Fußball… das geht schief. Das in etwa ist das aufgeregte Fazit nach der Halbzeitpause des ersten deutschen WM-Spiels. Die Sportmoderatorin Katrin Müller-Hohenstein hatte im Gespräch mit Oliver Kahn, das Tor von Miroslav Klose mit den Worten umschrieben, dass der Treffer für den Spieler “ein innerer Reichsparteitag” sein müsse. Sie verwendete eine Redewendung, die wohl für Fußballfans und Boulevardjournalisten in diesem Kontext zu intellektuell war. Denn ein Blick in ein gutes Wörterbuch oder etwa bei Wiktonary klärt auf:

“innerer Reichsparteitag - (spöttisch) etwas, das die bezeichnete Person mit Genugtuung erfüllt (Gefühl der inneren Zufriedenheit, nachdem jemand nach großem Auftritt nun von der Realität eingeholt wurde).”

Aber in der Euphorie kann so etwas ja mal untergehen. Doch die Redewendung ging nicht unter und eine Empörungswelle schaukelte sich hoch.

DAS hätte das ZDF allerdings wissen müssen, denn schließlich hat sogar das ZDF-Brain Claus Kleber neulich doch richtig erkannt: Twitter hat die Macht und kann sogar den Bundespräsideten stürzen. Eine Fußballmoderatorin “zu stürzen” ist da nur die mentale Vorbereitung auf die Aufwärmphase.  Prompt sprangen gestern Abend auch die ersten Medien auf: SPON, Welt, n-tv. Ein Verhalten, dass Stefan Niggemeier mal wieder sehr anschaulich und zutreffend kommentiert. Das ZDF reagiert hektisch und spricht von “Entgleisung”.

Eine völlig überzogene Reaktion, die zeigt, dass das ZDF twitter (außer für Eigenwerbung) und dessen Auswirkung immer noch nicht verstanden hat.


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10 Kommentare

  1. peter
    Erstellt am 14. Juni 2010 um 07:07 | Permanent-Link

    Die deutsche Selbstzensur unter dem Joch der “political correctness” läuft immer mehr aus dem Ruder (wie so manch anderes auch) und ist mittlerweile zum Selbstzweck verkommen. Wie Harald Schmidt schon kabarettierte: “Der hat Neger gesagt …”

  2. gierlande
    Erstellt am 14. Juni 2010 um 08:47 | Permanent-Link

    mensch mensch mensch,
    wenn dieser ausspruch als intellektuell bezeichnet wird, dann ist es auch passend von `endlösung`und dergleichen zu sprechen und allen zweiflern den pseudogebildeten stinkefinger zu zeigen. hier geht es wohl kaum um politische korrektheit, hier geht es um ein sprachlich-emotionales mitdenken. entgleisung ist scheinbar eine frage des verstandes…

  3. bruno
    Erstellt am 14. Juni 2010 um 10:05 | Permanent-Link

    Was soll die Aufregung?

    Meine Wohnzimmertapete ist auch nicht Endlösung

    Meine Maschine geht ab wie ne V1

    Das Schnitzel in der Kantine war zäh wie Leder.

    Leute Leute…..

  4. peter
    Erstellt am 14. Juni 2010 um 14:44 | Permanent-Link

    Autobahn! Autobahn!
    Schon wieder eine Entgleisung hier … obwohl, das paßt ja besser zum ÖPNV

  5. Rudi
    Erstellt am 15. Juni 2010 um 05:33 | Permanent-Link

    Mir ist völlig egal, was KMH sagt. Mir würde es schon reichen, wenn sie beim sprechen den Kiefer bewegen und nicht immer die Zähne dabei zusammenkneifen würde…

  6. Heidrun Dietz
    Erstellt am 15. Juni 2010 um 06:10 | Permanent-Link

    Kommentare und rote Köpfe sind für mich heute schon der erste
    “innere Reichsparteitag”. Diese Redewendung läuft quer durch mein Leben,
    ich bekomme aber sehr oft Ärger, wenn ich “ihn” benutze. Victonary hat recht.
    Uns fehlt dafür der Humor.

  7. Erstellt am 15. Juni 2010 um 07:28 | Permanent-Link

    Hmmm, hier in Bamberg hatten wir in 3 Jahren schon den zweiten NPD-Reichspartei… (na, Sie wissen schon). Ein verunglückter Kommentar, der aber verbal veranschaulicht, wie ‘es’ immer noch DA sein könnte……..
    In der gelebten Praxis, so denke ich, erkennt man, dass es GENETISCH schon immer DA gewesen ist und bleiben wird, bis…….
    Ich hab`s erlebt. http://www.helmutkarsten.de

  8. Kenner aller Sprüche
    Erstellt am 15. Juni 2010 um 18:36 | Permanent-Link

    Hat mal einer gezählt, wie oft Beckenbauer “Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei” gesagt hat?
    Hoffentlich ersetzt die SPD in NRW nicht “Kraft durch Freude”

  9. Empörer
    Erstellt am 15. Juni 2010 um 21:29 | Permanent-Link

    Sie haben das Wort “Sturm” benutzt. Bitte entschuldigen Sie sich beim ZDF dafür!

  10. Erstellt am 17. Juni 2010 um 08:01 | Permanent-Link

    Was genau hat das ZDF denn nun an Twitter nicht verstanden?

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