Sollten Referendare wirklich für Kanzleien bloggen?

Bloggen ist keine Schande. Auch nicht als Jurist. Ich würde sogar sagen, man kann gar nicht früh genug damit anfangen. Daher ist es auch löblich, dass es doch einige Studenten und Referendare gibt, die zu den meist gelesenen Blawgern auf jurablogs.com gehören (schließlich habe ich selbst mal so angefangen). Regelmäßig für Irritation sorgen allerdings all diejenigen Kollegen, die als Student/Referendar nicht im eigenen privaten Blog sondern im Namen einer Kanzlei bloggen.

Vor diesem Hintergrund dürfte auch der Beitrag des LBR-Blogs zu werten sein, den manche zum neuen „Blogger-Streit“ erkoren haben. Die Klarstellung, wer für die Kanzlei bloggt ist nicht unwichtig sondern gerade erheblich. So auch bei der gestrigen Meldung der IT-Rechtskanzlei zur DL-Richtlinie, die mit einer Headline aufmacht, welche Auswirkungen die Richtlinie auf Rechtsanwälte hat. Geschrieben von einem frischgebackenen Referendar. Ist es also schon soweit, dass Referendare Rechtsanwälte für Rechtsanwälte aufklären?

Auch zeigt sich immer wieder, dass häufig nicht klar erkennbar ist, dass der betreffende Autor des Kanzleiblogs gar kein Rechtsanwalt ist, was zu regelmäßigen Falschbezeichnungen durch Dritte führt. Berufsrechtlich nicht unbedenklich.

Außerdem wirft es die Frage auf, warum bloggt die Kanzlei eigentlich? Wenn man Anwälte fragt, warum sie bloggen, insbesondere warum sie in ihrer Eigenschaft als Rechtsanwalt bloggen, dann wird neben dem persönlichen Interesse und Spaß auch (!) die Profilierung gegenüber den Kollegen und die Akquise eine Rolle spielen. Welchen Eindruck macht es da wohl, wenn statt des erfahreneren Rechtsanwalts (man möge mir den Eindruck verzeihen) dauernd ein juristisches Grünschnabel bloggt? Sieht so das Aushängeschild der Kanzlei aus?

Vor diesem Hintergerund erscheint das ganze weniger als Blogwar, sondern als Qualitätsfrage der offiziellen Kanzleiblogs und stellt somit auch die Glaubwürdigkeit juristischer Blogbeiträge allgemein in Frage.

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Erst schreiben Sie: „Bloggen ist keine Schande. […] Ich würde sogar sagen, man kann gar nicht früh genug damit anfangen.“

    Dann schreiben Sie: „Welchen Eindruck macht es da wohl, wenn statt des ERFAHRENEN Rechtsanwalts (man möge mir den Eindruck verzeihen) dauernd ein juristisches Grünschnabel bloggt?“

    Ich frage Sie: Wie soll z.B. ein frisch gebackener Einzelanwalt (= Grünschnabel) Ihrer Meinung nach bloggen? Er ist weder Student/Referendar, noch erfahren. Wo bleibt das JurBlogQualG (Gesetz zur Qualifikation juristischer Blogger)??

  2. „Ist es also schon soweit, dass Referendare Rechtsanwälte für Rechtsanwälte aufklären?“

    Haben Sie denn inhaltlich etwas an dem Beitrag von Herrn Karg auszusetzen oder missfällt Ihnen einfach, dass er „nur“ von einem Referendar verfasst wurde?

  3. Ich sag mal so: Rechtsanwälte haben einfach keine Zeit zum Bloggen. Es sei denn sie haben 2 ausreichende Staatsexamen und müssen per Blog auf Bauernfängerei gehen.
    Wo soll die Qualität also herkommen, wenn nicht von Referendaren?

  4. Wird anhaltend der falsche Eindruck erzeugt, es blogge der RA selbst, dann mag dies in der Tat fragwürdig sein. Alle anderen aufgeführten Argumente überzeugen weniger. Schaut man nämlich auf jurablogs, mit welchen Beiträgen man es schafft, sich im ranking nach oben zu bewegen, dann sind dies überwiegend Witze oder Anekdoten aus dem Juristen-Alltag. Zählt dafür wirklich juristische „Erfahrung“? Im Gegensatz dazu schreibt mancher Student oder Referendar Blog-Artikel, von deren Qualität sich einige RA gern mal eine Scheibe abschneiden könnten.

    • Ich will gleich an dieser Stelle einhaken, da an verschiedenen Stellen gegen den „erfahrenen Rechtsanwalt“ protestiert wurde. Ich habe auch insofern den Artikel abgeändert um zu verdeutlichen, dass es mir nicht darum geht, dass nur noch erfahrene Rechtsanwälte bloggen sollten.

      Letztlich war der Gedanke hinter dem Artikel ein mehr an Transparenz in Kanzlei-Blogs. Natürlich sagt der Grad der Ausbildung nichts über die Qualität eines Beitrages. Ich hatte in dem Beitrag die Qualität daher nicht erwähnt, ich hätte sie wohl ausdrücklich ausschließen sollen.

      Es fiel mir in der letzten Zeit nur vermehrt (in diversen Blogs u.a. den beispielhaft genannten) auf, dass in einigen offiziellen Kanzleiblogs häufig/meistens/ausschließlich Studenten/Referendare/wiss. Mitarbeiter schreiben, ohne das dies transparent genug ist und so der falsche Eindruck entsteht bzw. billigend in Kauf genommen wird (?), es blogge ein Rechtsanwalt.

  5. ich würde mich da Herrn Müller anschließen – ich finde es vollkommen in Ordnung, wenn auch Referandare u.ä. für Kanzleien bloggen. Die können genauso fachlich qualifiziert sein; auch wenn sie das 2. Ex noch nicht haben; außerdem kommt es bei den wenigsten Blogposts wirklich auf juristische Fachkompetenz an.
    Und den Kanzleialltag erlebt ein Referendar auch, wieso sollte er nicht darüber bloggen? Der Kanzlei ist das auch nicht unrecht, da gute Werbung. Also alle happy :-) WER postet sollte allerdings schon kenntlich gemacht werden, einfach aus Höflichkeit.

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besonders feine footnotes