Sicher bloggen – Die Alternativen (Teil 2)

Im zweiten Teil der Reihe “Sicher bloggen” bzw. sicher bloggen mit WordPress möchte ich im zweiten Teil auf die im ersten Teil angedeuteten sicheren Alternativen zur eigenen WordPress-Installation eingehen: Blogdienste.

Blogdienste werben damit, dass sie dem Blogger ein “Rund-um-Sorglos-Paket” zur Verfügung stellen. Der Blogger muss sich nicht um den Server/Webspace kümmern oder um die Software zu sorgen. Alles wird von den Anbietern übernommen, so dass sich der Blogger ganz auf seine gestalterische Tätigkeit konzentrieren kann. Doch handelt es sich wirklich um “Rund-um-Sorglos” Pakete? In diesem Beitrag möchte ich auf ein paar (von den vielen) dieser Dienste hinweisen und deren Vor- und Nachteile anreißen. Da dieser Beitrag bzw. diese Serie von der eigenen Überlegung begleitet wurde, diese Seite auf einen solchen Dienst zu verlagern, habe ich mich auch auf den Aspekt konzentriert, ob und wie ein Wechsel möglich wäre.

Die Auswahl an gehosteten Blogdiensten ist groß und mögliche Aufzählungen sind bei weitem nicht abschließend. Aus diesem Grund werde ich an dieser Stelle auch nur auf drei dieser Blogdienste exemplarisch eingehen, weil sie beispielhafte Vertreter ihrer Gattung sind, denn auch bei Blogdiensten gibt es unterschiedliche Arten. Entscheidend ist dabei die Ausrichtung und Zielgruppe des Dienstes. Dabei gibt es auf der einen Seite hippe “Microblogger” Blogdienste die stark auf “Web 2.0″ und wohl eher eine Konkurrenz zu Profilseiten in Social Networks sind wie etwa posterous oder der hier gewählte Dienst tumblr. Das andere extrem dürften Plattformen wie typepad oder wordpress.com sein, bei denen eine bekannte und bewährte Blogsoftware als Blogdienst gehostet wird. Das Gros der Blogdienste dürfte allerdings zwischen diesen beiden Extremen liegen. Hauptfokus liegt auf dem “klassischen” Bloggen, allerdings ohne dass der User dafür viel einstellen müsste, aber wenn er will hat er doch deutliche mehr Optionen als bei der Konkurrenz von tumblr zum Beispiel. Der Platzhirsch dürfte hier wohl blogger.com sein, jedoch gibt es eine ganze Reihe kleinerer aber durchaus feiner Anbieter. Deshalb sei hier als Beispiel Squarespace genommen.

tumblr – Der Microblogger

tumblr ist ein klassischer Microblogger. Er kombiniert Bloggen und “Social Media”. Andere tumblr Blogs lassen sich abonnieren und die Integration von Twitter und Facebook ist ebenso stark ausgeprägt. Wie es sich für einen Microblogger gehört, ist tumblr schnell konfiguriert. Das Aussehen des eigenen Microblogs lässt sich mit wenigen Klicks im Browser personalisieren. Dafür stellt tumblr eine ganze Reihe von Themen zur Verfügung. Farbliche Anpassungen der Themen lassen sich einfach auswählen und wer es lieber individueller Haben will kann auch eigenen HTML Code (inklusive CSS) verwenden.

Hat man tumblr einmal konfiguriert (die eigene Domain lässt sich auch verwenden) kann es direkt losgehen. Auf dem “Dashboard” genannten Backend des Microbloggers hat man an prominenter Stelle die Links um entsprechende Inhalte zu veröffentlichen: Texte, Bilder, Zitate, Links, Chats, Audio und Video. Wer es schnell und einfach haben will, der wird mit tumblr also schnell zurecht kommen und seine wahre Freude haben. Doch tumblr ist auch ein Microblogger und manches Feature dürfte dem einen oder andere fehlen. So kennt tumblr von Haus aus keine Kommentare. Andere tumblr User können zwar Beiträge zu ihren Favoriten zählen oder weiterbloggen, aber Kommentare von unangemeldten Usern sind erstmal nicht vorgesehen. Da tumblr aber eine modulare API hat, lässt sich eine Kommentarfunktion durch den Zusatzdienst disqus. Wer von seinem bisherigen Blog zu tumblr wechseln will, wird ebenfalls eine Import/Export Funktion vermissen. tumblr ist ein geschlossenes System und es sieht nicht vor frühere Beiträge zu Importieren oder das Blog später mal zu exportieren.

Squarespace – der smarte Dienst aus SoHo

Squarespace dürfte hier zu Lande eher unbekannt sein, doch handelt es sich hier um einen kleinen aber sehr feinen Blogdienst, der allerdings auch nicht ganz billig ist. Im Gegensatz zu vielen Konkurrenzangeboten kostet ein Blog bei Squarespace ab $8 im Monat. Doch wer nachhaltig und seriös an die Sache rangehen will, der wird bei Squarespace fündig. Ähnlich zu tumblr lässt sich ein Blog bei Squarespace einfach konfigurieren und anpassen. Das betrifft nicht nur Themes und Gestaltung sondern auch den Aufbau des Blogs. Mit Squarespace lässt sich eine komplette Website mit verschiedenen Elementen, wie etwa Blog, statischen Seiten, Filesharing, etc., zusammenbauen. Für alle die Squarespace als alternative zu ihrer bisherigen Installation in Erwägung ziehen, bietet der Dienst ein ganz besonderes Schmankerl: Blogposts lassen sich von den gängigen Plattformen (WordPress, MovableType, Blogger) nahtlos übernehmen. Dabei werden Kommentare, Kategorien und Tags übernommen. Der Wechsel klappt daher nahtlos.

Allerdings ist das Angebot von Squarespace auf den amerikanischen Markt ausgerichtet, so dass die vorhandene Lokalisierung teilweise etwas halbherzig ist. Einige feste Textelemente des Blogs (“Leave a comment”) werden derzeit nicht lokalisiert. Jedoch hat Squarespace einen sehr schnellen und ehrgeizigen Support, so dass auch dort möglicherweise eine Lösung gefunden werden kann. Anders als bei den anderen beiden getesteten Blogdiensten bietet Squarespace derzeit noch keine App für das iPhone an. Auch ist die Verknüpfung mit anderen sozialen Netzwerken derzeit nur äußerst umständlich oder gar nicht möglich. Beide Funktionalitäten werden allerdings mit “Coming soon” bereits auf der Startseite beworben.

WordPress.com –  vielseitig, bewährt, hosted

WordPress.com ist die Antwort von Automattic (den WordPress Entwicklern) für alle, die zwar WordPress nutzen, aber nicht selbst hosten wollen. Als Grundlage für WordPress.com dient hier die Mehrbenutzervariante der Blogsoftware WordPress MU. Der Funktionsumfang von wordpress.com ist daher entsprechend umfangreich. Neben Text- und Videobeiträgen lassen sich, anders als bei einer normalen WordPress Installation, von Haus aus auch Umfragen und Bewertungen einfügen. WordPress.com ist an sich zu nächst ein kostenloser Dienst, der einen Großteil der Funktionen von WordPress beinhaltet. Lediglich wer sein Blog weiter individualiseren möchte wird für die einzelnen Möglichkeiten (eigene Domain, editierbare CSS, keine Werbeeinblendungen, mehr Speicherplatz) bezahlen.  Die Kosten halten sich dabei im Rahmen ($50 im Jahr für eigene Domain, editierbare CSS und keine Werbung).

WordPress.Com bietet ähnlich wie tumblr eine große Auswahl von Themes an. Diese sind jedoch in der Regel nicht oder nur in sehr geringem Umfang editierbar. Für $15 Dollar Aufpreis ist jedoch dank völlig freigestaltbaren CSS der Personalisierung keine Grenzen gesetzt. Anders als bei tumblr und Squarespace lässt sich bei WordPress.com lediglich das CSS verändern. Anpassungen des HTML-Gerüsts oder Erweiterungen des HTML Codes sind nicht möglich. Damit wird es schwer vom Aufbau der vorgegebenen Themes abzuweichen (so wie etwa hier mit den Features auf der Startseite). Diese Beschränkung ist jedoch gleichzeitig auch ein Sicherheitsaspekt. Dadurch dass der Nutzer keinen Zugriff auf die HTML Struktur des Blogs bekommt, kann er auch keinen Code einschmuggeln. Aus diesem Grund lassen sich bei WordPress.com auch keine Plugins für WordPress laden.

Fazit

Welches ist nun der beste Dienst? Eine klare bzw. allgemeingültige Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Wie die Ausführungen oben zeigen, haben treten tumblr, squarespace und WordPress zwar gegeneinander an um die Gunst der “Blogger”, doch letztlich gibt es große Unterschiede in den Zielgruppen. tumblr und wordpress.com konkurrieren um all diejenigen, die möglichst kostengünstig ein Blog betreiben wollen. Dabei bietet WordPress eine Funktionsvielfalt an und ist ideal für alle die thematischer / sachlicher bloggen wollen, während tumblr wohl eher für die schnelle kurze Verbreitung von multimedialen Inhalten gedacht ist (und dafür nicht das Profil von facebook oder ähnlichen Diensten nutzen will). WordPress und Squarespace konkurrieren hingegen mehr um all diejenigen Blogger, die ihr Blog professioneller gestalten. Squarespace bietet dabei anders als WordPress nicht nur den Schwerpunkt Blog sondern ermöglicht den Aufbau einer kompletten Webpräsenz mit dynamischen und statischen Seiten. Da Squarespace jedenfalls aus Kostengesichtspunkten in der Oberklasse rangiert und keine Vorteile gegenüber einer selbst gehosteten Bloglösung bietet, fand ich es für Blogs mit deutscher Zielgruppe mangels ausreichender Lokalisierung nicht ideal. Als Betreiber eines englischsprachigen Blogs würde ich Squarespace WordPress.com vorziehen.

Welcher Dienst ist sicherer? Da dieser Beitrag ja zur Reihe “sicher bloggen” gehört, sollte abschließend auch ein Blick auf die Sicherheit der Blogs geschaut werden. Alles sind hosted Lösungen und somit liegt die Abwehr von Hacker und Spamangriffen bei den Betreibern der Blogdienste. Diese hüllen sich natürlich weitestgehend in Schweigen, wie diese aussieht. Diese dürfte bei allen auf einem hohen Standard liegen, jedoch ist auch hier das Risiko eines Hackerangriffs höher je bekannter die Plattform. wordpress.com und squarespace bieten dem Blogger die Möglichkeit nebenbei selbst noch seine Beiträge (in Form eines Exports) zu sichern. Im Falle eines Datenverlusts kann sich der Blogger also selbst nochmal absichern. Hosted Blogdienste bieten jedenfalls dem Blogger den Vorteil, dass er sich um die Absicherung seines Blogs nicht kümmern muss und auch der Blogdienst weniger Angriffsfläche bietet. Einen 100%igen Schutz zu erwarten, wäre jedoch, wie bei jedem online Angebot leichtgläubig.

Alles in allem bieten die oben beschriebenen Dienste alle die Möglichkeit für ein einfaches und sorgenfreieres Bloggen, was sicherlich vielen entgegenkommen wird, da sie nicht rund um die Uhr ihr Blog bewachen wollen und ggf. tief in den Code der Software einsteigen müssen. Abschließend noch ein paar Bilder der jeweiligen Dienste und viel Erfolg bei der Wahl eines Blogdienstes.


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2 Kommentare

  1. Sebastian N.
    Erstellt am 23. Oktober 2009 um 11:26 | Permanent-Link

    Kannst Du das noch mal in 140 Zeichen zusammenfassen? *duck&renn*

  2. Erstellt am 29. Januar 2010 um 17:07 | Permanent-Link

    ich bin echt froh, dass mir ein freund den blog aufgesetzt hat. das wäre für mich dann doch zu kompliziert gewesen.

4 Trackbacks

  1. Von Sicher bloggen – Die Alternativen (Teil 2) am 23. Oktober 2009 um 12:31

    [...] more: Sicher bloggen – Die Alternativen (Teil 2) Comments0 Leave a Reply Click here to cancel [...]

  2. Von links for 2009-10-23 : Bibliothekarisch.de am 24. Oktober 2009 um 08:10

    [...] Sicher bloggen – Die Alternativen (Teil 2) Welches ist nun der beste Dienst? Eine klare bzw. allgemeingültige Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Wie die Ausführungen oben zeigen, haben treten tumblr, squarespace und WordPress zwar gegeneinander an um die Gunst der “Blogger”, doch letztlich gibt es große Unterschiede in den Zielgruppen. (tags: medien-gerecht blog vergleich 10/2009 2009 tumblr squarespace wordpress) [...]

  3. Von nützliche Tweets: 23.10.2009 | preisbiene Blog am 24. Oktober 2009 um 08:36

    [...] bloggen – Die Alternativen (Teil 2) (Link) #Blog [...]

  4. Von Blogtests – tumblr vs. posterous am 23. Februar 2010 um 06:44

    [...] hier schon in der Serie “sicher bloggen” selbst angetestet, hat nun Ars technica die zwei microblogging Dienste Posterous und tmblr [...]

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