Nach dem vor wenigen Wochen stern.de seine Seite umfassend umgestaltet hat, folgt nun spiegel.de. Die meistbesuchteste deutsche Newsseite im Internet präsentiert stolz sein “Relaunch”. Auf den ersten Blick fragt man sich allerdings, was für ein Relaunch?
Denn auf den ersten Blick hat sich wenig verändert. Das Design ist einheitlicher geworden, breiter, besser strukturiert. Gewöhnungsbedürftig mag der auffälligste Wechsel der Hauptspalte von links nach rechts sein, wenn man von der Startseite in einen Artikel geht. Aber auch daran wird man sich zur Freude der Werbekunden gewöhnen.
Also viel Lärm um Nichts? Wie auch das Designtagebuch feststellt, ist der relaunch sehr zurückhaltend, möglicherweise um die Leser nicht zu verprellen.
Bedauerlich ist allerdings der Umgang den der Spiegel mit Werbung hat. Schon beim letzten Relaunch wurde in den ersten Stunden auf Werbung komplett verzichtet, so dass es sich wirklich um einen aufgeräumten und sehr übersichtlichen Webauftritt handelte. In den Erklärungen zum Relaunch kein Wort zur Werbung und warum das neue Design insbesondere der Werbung zu Gute kommt. Wenige Stunden später sind nun die Werbeflächen aktiv: 13 in der Übersicht und ganze 17 Werbeflächen in der Artikelansicht:
Das ist allerhand. Das kostenlos abrufbare News mit Werbung finanziert werden, ist weder neu noch schlecht. In einer Zeit in der Verleger sich darüber beschweren, dass ihnen die (Werbe-)Einnahmen wegbrechen, zeigt der Relaunch von spiegel.de doch eindeutig, dass der Mut zur Wahrheit fehlt. Wenn die Verleger gegen die kostenlose Mitnahmementalität ihrer journalistischen Inhalte sind, warum stehen sie dann nicht zu ihren Finanzierungsmodellen?
Bei der Erklärung des relaunch hätte ein Wort der Ehrlichkeit zur Platzierung, Umfang der Werbung nicht fehlen dürfen. So suggeriert spiegel.de, dass der eigentliche Zustand werbefrei sein müsste. Ein Umdenken der Nutzer von Werbeblockern und ein Dialog zwischen Verlagen und Kunden sieht leider anders aus. Hier fehlte dem Spiegel eindeutig der Mut, ein klares Zeichen zu setzen.
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