Warum Elke Heidenreich auf ganzer Linie Recht hat

Fern von der anderen Seite des Atlantik, wo „Kulturauftrag“ und Fernsehen ein unversöhnlicher Gegensatz sind, wirkt die aktuell in Deutschland entbrannte Diskussion um die Qualität des deutschen Fernsehens gerade zu skurril. Aber vielleicht ist es gerade der Abstand (und der Kontrast dem man als Konsument ausgesetzt ist), der den Wahrheitsgehalt dieser Debatte verdeutlicht.

Als Marcel Reich-Ranicki empört den Deutschen Fernsehpreis und das deutsche Fernsehen ablehnte und Elke Heidenreich sich öffentlich dafür schämte, konnte man das durchaus auch als Überreaktion zweier hochintelligenter Menschen ansehen. Doch die Reaktionen der Kritisierten (und gleichzeitig ihrer eigenen Kritiker) zeigt, wie Recht sie haben.

Thomas Gottschalk und Bastian Pastewka reagieren beleidigt, weil man ihnen den Spiegel vor die Nase hält und ihnen sagt, dass dass was sie tun alles andere als geistreich ist. Der RTL-Chef hält die Kritik für Irrelevant, was für seinen Sender wohl richtig ist, da er ein Publikum ansprechen will, das ein niedrigen IQ hat als ein Schäferhund und die Verantwortlichen der Öffentlich-rechtlichen fühlen sich auf den Schlipps getreten, weil sie dabei ertappt wurden, dass sie sich mit den Privatsendern einen Konkurrenzkampf um die niveauloseste Sendung bieten, fernab von Rundfunkauftrag und Grundversorgung.

All diese Reaktionen zeigen wie Recht Elke Heidenreich hat. Dafür braucht es noch nicht einmal die Unterstützung weiterer Autoren. Die Diskussion ist lange überfällig und auch senderübergreifend zu führen. Allerdings ist zwischen Privatsendern und ARD&ZDF zu trennen. Während die einen nur dem wirtschaftlichen Erfolg unterworfen sind, haben die öffentlich-rechtlichen einen Auftrag. Dieser besteht nicht darin, schlechte Fernsehpreise mit RTL und Sat1 zu veranstalten.

Wenn nun wegen einer persönlichen Kritik gleich ein ganzes Sendeformat, das zum Auftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens gehört vom Rotstift bedroht ist, dann stellt sich wirklich die Frage, ob der öffentlich-rechtliche Rundfunk selbst noch eine Existenzberechtigung hat und nicht lieber die unter dem Deckmäntelchen des öffentlichen Auftrags agierenden Wirtschaftsunternehmen sich dem realen unverzerrten Wettbewerb aussetzen sollten.

8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. eigentlich wollte ich mich nun mal zurückhalten. Der geist ist willig.. -aber das interessiert die modernen von heute ja net,
    Also der herr G. hat sich beschwerd, dass (insbesondere von MRR) keine alternativen genannt wurden.
    Nun dann hier mal ein vorschlag:
    Die gesetzlich erzwungene kollekte von insgesamt 7 MILLIARDEN eu wird endlich abgeschafft und es wird GARANTIERT keiner mehr über den schrott der Ö-R jammern, nörgeln oder sich beschweren.
    ODER:
    Die quotengeilheit sowie die endlosen, unerträglichen werbeblöcke und verdummblödelungen hören ENDLICH auf. Und ich geb sogar noch 1en eu pro quartal drauf wenn ich auf dem ersten und 2ten wieder erfrischende bilder a là GEO, beiträge de la artè und geistiges ähnlich raum & zeit bekomme.
    Ach und übrigens Thomas: sinnvolle inhalte müssen net aus der verstaubten klassik (wie MRR als beispiel nannte) kommen; das geistreich von shakespeare, schiller, goethe + co lässt sich auch cool poppig und dem zeitgeist entsprechend präsentieren.
    Womöglich können die alten säcke Smodo und T. Dürr noch was konstruktives beitragen..

  2. Ach ja, noch was:
    wenn Ö-R schon keine spirituellen oder seelischen inhalte bringen wollen, weil die ja zu verstaubt sind und 90percent des volkes lieber sensation sehen wollen..
    Industrial rules -all right digga. Wie wäre es denn dann mal mit hochauflösendem HD-tv? das ist seit jahren in asia schon standart. Wäre das nicht mal etwas um die privaten aus der reserve zu locken? HD-quality statt ami-fast-food in german tv..
    Dann hat auch die wirtschaft wieder ihren spass wenn hd.ready verkauft wird, und hochintellektuelle MRR-aliens wenn hochwertige medien-produkte angeboten werden ;)

  3. Pingback: PolkaRobot | Blog Archiv » Frau Heidenreich, falls Sie das ZDF rauswirft, kommen sie doch zu uns ins Internet

  4. Worin genau besteht die Kritik?

    Wenn ich es richtig verstanden habe, dann haben MRR und Heidenreich insofern recht, als das Fernsehen insofern doof ist, als das öffentlich-rechtliche Fernsehen zusammen mit RTL und Sat.1 Fernsehpreise veranstaltet. Anders herum gefragt: Lieber Herr Meister, worin besteht denn der Rundfunk-Grundversorgungsauftrag?

    Das ganze auch noch zum Anlass zu nehmen, die Rundfunkgebühren abzuschaffen (@grinsekater), so dass sich niemand mehr beschweren kann, kann ich allenfalls auf humoristischer Ebene nachvollziehen (vielleicht ist es ja so gemeintß).

  5. MRR und Frau Heidenreich haben nur teilweise recht. Ihre Kritik ist zu allgemein und zu undifferenziert, damit leisten sie leider nur den GEZ-Dauernörglern Vorschub. Klar ist der ÖRR nicht perfekt, klar ist die GEZ kritikwürdig, vom Privatfernsehen ganz zu schweigen. Aber nichtsdestotrotz gibt es sie, die qualitativ hochwertigen Programme, auch bei ARD, ZDF und ihren Digitalen Ablegern.
    Was MRR sich im Fernsehen wünscht, ist – wenn man Deutschlands größtem Märchenerzähler glauben darf – zumeist schwere Kost.

    @grinsekater: HDTV gibt es von ARD und ZDF auch schon, nur eben noch nicht im Regelbetrieb. Zur IFA 2008 beispielsweise gab es die Digitalkanäle der ARD in HD zu sehen, und auch sonst laufen immer wieder Testsendungen.

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