Die Kanzlerin hat auf den Zeitschriftentagen am vergangenen Freitag die Expansionspläne von ARD und ZDF im Internet kritisiert. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts sei kein Freibrief jetzt selbst zu definieren, was im Bereich Internet zur Grundversorgung gehöre. Damit stellte sie sich hinter die Zeitungsverleger, die mit heftiger Ablehnung auf das leicht gönnerhaft wirkende Angebot von ZDF-Indendant Schächter reagiert hatten, Zeitschriftenverlage könnten sich ja an den Onlineangeboten von ARD und ZDF beteiligen.
Mit den Worten “Chats und Kontaktbörsen sind vom Grundversorgungsauftrag weit entfernt. Daher müssen Grenzziehungen künftig klar definiert werden.“ ebnet Angela Merkel den Weg zu der dringend notwendigen politischen Diskussion über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und das Internet. So richtig ihr Appell doch war, so wirkungslos ist er jedoch. Da Rundfunnk traditionell keine Bundesangelegenheit ist, dürften ARD und ZDF von den Worten der Kanzlerin unbeeindruckt geblieben sein.
Die zuständigen Ministerpräsidenten wagen es jedenfalls nicht, ihre Rundfunkanstalten zu kritisieren. Manch einer sieht im Erhalt des Saarländischen Rundfunks auch die Garantie für den Erhalt seines Amtes und Landes. Wenn für die Ministerpräsidenten öffentlich-rechtlicher Rundfunk zu solch einem Prestige werden kann, dann werden dort sicherlich keine allzu strengen Konzessionen gemacht.
Im Zweifel wird es Karlsruhe eh (hin)richten.


Ein Kommentar
Wo sind denn diese vielen Chats und Kontaktbörsen, die so viel Geld verschwinden? Diese Kritik am Onlineangebot ist m. E. an den Haaren herbeigezogen. Wenn die Nutzer bei den Privaten wegbleiben, dann liegt das an deren Angebot und nicht an den Öffentlich-Rechtlichen.
Was die Unterhaltungssendungen angeht – Stichwort “Abkupfern” – das finde ich auch nicht in Ordnung. Leider trauen die Sender hier zu wenig ihren eigenen Formaten.
Was aber den Info-Bereich angeht, und damit auch den Erhalt des SR: Wer soll denn die Nachrichtenversorgung in der Region übernehmen? Die einzige Alternative zu den 3-Minuten-Nachrichten im Privatradio wäre dann die einzige Tageszeitung im Saarland, die wegen der niedrigen Löhne bei ihrer Post-Tochter jüngst selbst in die Kritik geraten ist. Wer berichtet darüber? Bild??
Der SR berichtet. Er berichtet sogar über die Kritik an den Öffentlich-Rechtlichen und lässt auch hier alle zu Wort kommen. Zu hören jede Woche in der Medienwelt – auch als Podcast.
Ein Trackback
[...] Die Kanzlerin kritisiert Onlineexpansion von ARD und ZDF ( medien-gerecht , 18. 11. ) [...]