It’s a… watch! – 9 Dinge, die ich an der Apple Watch mag

AppleWatch Sport

Pünktlich am 24. April klingelte der Postmann und brachte das neueste Gadget aus dem Hause Apple: Die Apple Watch. Das – laut Apple – persönlichste Produkt aus Cupertino. Folgert man aus der rasanten Geschwindigkeit mit der am 10. April die einzelnen Modelle ausverkauft waren, ist es möglicherweise nicht nur das persönlichste, sondern auch das (bei Verkaufsstart) begehrteste Produkt.1.Da Apple bislang keine Verkaufszahlen veröffentlicht hat, eine reine Spekulation.

Umso größer war daher die Spannung und die Freude tatsächlich unter den ersten eine Apple Watch zu bekommen. Nachdem die erste (Auspack-) Euphorie verflogen ist, Zeit ein erstes – persönliches – Fazit zu ziehen. Trifft die Apple Watch meine Erwartungen? Ist sie wirklich das revolutionäre Produkt, wie uns Apple und die vielen ersten Reviews glauben lassen? Oder ist es ein (bis zu 17.000,- Euro) teures Beta-Produkt mit mangelnder Akkuleistung?

1. Apple typische Verarbeitung & Haptik

Seit Jahrzehnten staffelt Apple seine Produkte regelmäßig in drei Preissegmente: good/better/best. War mit der Preissteigerung bislang meist eine höhere technische Performance (schnellere Prozessoren, mehr Speicherplatz, größeres Display, etc.) verbunden, findet man die Preisstaffel trotz der Vielzahl an Armbandoptionen auch bei der Apple Watch. Zum ersten Mal in der Geschichte Apples sind die Preissprünge besonders groß obwohl die technischen Spezifikationen über die Preissegmente gleich bleiben. Einziges Unterscheidungsmerkmal, die verwendeten Materialen: Aluminium, Edelstahl oder Gold.

Entsprechend unterscheidet sich auch die Verpackung der einzelnen Modelle. Hat Apple bei vergangenen iPod Modellen hier häufig auf einfachste Plastikverpackungen zurückgegriffen, kommt selbst die Apple Watch Sport in einer aufwändigen und hochwertigen Verpackung daher. Unboxing Fetischisten können auch hier ungetrübt die Apple Watch nach und nach aus den einzelnen Verpackungsschichten befreien.2.Zählt man den Versandkarton mit, sind es insgesamt sechs: Versandkarton, Schutzfolie, Karton, Schutzfolie, Plastikcase, Schutzfolie

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Auch die Uhr selbst wird den Erwartungen gerecht. Die Verarbeitung ist hochwertig und selbst das „Plastikarmband“ ist weich und hat einen  angenehmen Grip. Auch hier hat man sich offensichtlich bei der Wahl und Kombination der Materialien Gedanken gemacht.

Wie mir auch bereits mehrere Freunde bestätigt haben, trifft dies auch auf die weiteren Armbänder zu. Das Milanese Loop Band ist zwar aus Metall, wer aber eine schwere Uhr erwartet wird überrascht, da das Armband filigran und leicht ist. Ähnlich soll auch das Lederarmband einen anderes Kontaktgefühl vermitteln als man es von sonstigen Lederarmbändern kennt.

2. Die Digital Crown ist das natürlichste und selbstverständliche Bedienelement überhaupt

Ein Wort zur Digital Crown: Fantastisch! Mit der Digital Crown wird das scrollen einfach und auf einer ganz natürlichen Weise umgesetzt. Ist man anfangs versucht auf dem kleinen Bildschirm mit dem Finger zu scrollen und so den Inhalt zu verdecken, entpuppt sich die Digital Crown als fein abgestimmtes präzises Eingabegerät.

Die Digital Crown lässt sich drehen und drücken. Damit werden klassische Arbeitsweisen von Uhrenkronen übernommen, die allerdings hier eine viel weitreichendere Wirkung haben. Der Druck auf die Digital Crown ist meist mit einem „zurück“ verknüpft. Wobei der Druck nicht zwangsläufig zurück zum Ziffern Blatt führt. Was anfangs vielleicht noch etwas verwirrend erscheint, hat John Gruber hier zutreffend zusammengefasst.

 3. Notifications – Taps gone wild

Wer neben einem iPhone auch ein iPad und einen Mac besitzt, kennt das Problem: Kommt eine Mail oder SMS fangen alle drei Geräte mehr oder weniger gleichzeitig an, den Nutzer zu benachrichtigen. Der Grund ist einfach, da die Geräte nicht wissen, welches gerade in der Nähe geschweige denn genutzt wird. Anders ist es mit der Apple Watch. Durch die direkte Koppelung mit einem iPhone, weiß das Ökosystem aus Apple Watch und iPhone sehr genau ob und welches der beiden Geräte aktiv genutzt wird. Entsprechend werden die Notifications auch nur an dem aktiven Gerät ausgegeben. Ist keins aktiv, erfolgt die Benachrichtigung über die Apple Watch. Je nach Einstellung mit einem Ton und/oder einem dezenten Tap am Arm.

Maps mit Wegbeschreibung

Das Taptic Engine macht dabei eine beeindruckende Arbeit, denn anders als das störende und laute Vibrieren des iPhones ist der Tap der Apple Watch dezent und stört regelmäßig nicht. Was nicht heißt, dass in der einen oder anderen Situation auch das ständige „Getappe“ am Arm auf die Nerven gehen kann. In dem Fall kann man aber die Watch ausziehen oder einfach in den Sleep-Modus schicken.

4. Die Apple Watch ist kein iPhone-Ersatz

In den letzten Tagen und Wochen ist viel über die Apple Watch geschrieben worden. Über das was sie ganz besonders gut oder furchtbar schlecht macht. An dieser Stelle bewahrheitet sich meines Erachtens Apples Aussage, dass es sich um das „persönlichste“ Produkt handelt. Denn anders als beim iPod oder iPhone sind bei der ersten Use Cases vielschichtiger und individueller. Der iPod war für alle ein besserer mp3 Player und das iPhone war schon immer ein besseres Smartphone. Der Usecase war klar und eindeutig. Dies ist bei der Apple Watch anders. Die Apple Watch vereint viele Funktionen in sich, ist jedoch ohne iPhone im näheren Umkreis auf wenige Funktionen beschränkt.

Wer allerdings die Apple Watch als iPhone-Ersatz sieht, hat das (derzeitige) Konzept der Watch nicht verstanden. Sie ist kein iPhone-Ersatz. Viel mehr eine Ergänzung oder Erweiterung um eine einfachere Kommunikation zu ermöglichen und weitere Nutzungsmöglichkeiten zu ermöglichen. All diese Nutzungsmöglichkeiten ergeben sich aus der Aktivitäts- und Pulsmessung der Watch.

Wer die Apple Watch für sportliche Aktivitäten nutzen will, kann dies auch ohne iPhone tun. Sowohl die Schritt- als auch Pulsmessung als auch eine (kurze) Playlist lassen sich auf der Uhr ohne gekoppeltes iPhone nutzen. Wer hingegen beim Outdoorsport gleichzeitig seinen zurückgelegten Weg mittels GPS tracken will, ist hingegen wieder auf das iPhone in der Tasche angewiesen.

5. Reduziert auf das Wesentliche

kennt auch die Antworten zur Bundesliga

In einer Zeit, in der es zur neuen Volkskrankheit gehört jederzeit auf das Handy zu schauen, wenn es auch nur den kleinsten Mucks von sich gibt oder man einfach nur aus Langeweile zum Handy greift und anfängt darauf rumzudaddeln ist die Apple Watch eine Wohltuende Abwechslung. Sie unterdrückt den Reflex nicht nur die Benachrichtigung zu lesen, sondern gleichzeitig auch noch proaktiv im Netz zu surfen, den Facebook Status zu aktualisieren, die neuesten Twitter Meldungen zu lesen etc.

Bekommt man eine Notification schaut man (jetzt oder später) kurz drauf und das war’s. Die Ablenkung dauert in der Regel nur wenige Sekunden. Ein echter Zeitgewinn.

6. Akkulaufzeit – Das nicht vorhandene Problem

Bei der Veröffentlichung der Apple Watch war das Gelächter und die Häme groß, dass der Akku scheinbar keinen ganzen Tag aushält. Nach einem Monat mit der Apple Watch musste ich allerdings feststellen, die Laufzeit des Akkus der Apple Watch ist im täglichen Einsatz kein Problem. Der Akku hält. Durchaus auch mal mehr als einen Tag. Abhängig von der Nutzung.

Durch die ständige Bluetooth-Verbindung mit dem iPhone kann es allerdings zu einer kürzeren Akkulaufzeit beim iPhone führen. Dies scheint wohl insbesondere dann der Fall zu sein, wenn die Apple Watch viel auf die Ortungsdienste des iPhones zurückgreift und auch die Netzabdeckung nicht so ideal ist.

7. Fitness Tracking

Die Apple Watch ist sicher nicht das erste Wearable, das den Puls misst oder die Schritte zählt, aber durch die Kombination mit der Integration mit dem iPhone erspart es ein weiteres Device bzw. bietet einen erheblichen Mehrwert, wenn man eben auch während seiner nicht sportlichen Aktivitäten seine Fitness trackt. Wer wird abends auf der Couch und das Bier leer ist, nicht gerne dran erinnert, dass es Zeit ist aufzustehen und sich (zum Kühlschrank) zu bewegen.

Lässt man den Spott beiseite, ist es gerade für Bürohengste eine gute Gelegenheit mal zu überprüfen, wie aktiv man in seinem normalen Alltag in Wirklichkeit (nicht) ist. Ist man nicht gerade der sportlichste, ist die Apple Watch sicher eine gute Motivation um (wieder) aktiver zu werden.

8. Passbook (& Apple Pay)

Das Flugticket auf dem Handy ist ein alter Hut. Das Flugticket am Handgelenk hat bei meiner letzten Flugreise an einem kleineren internationalen Flughafen für Begeisterung beim Bodenpersonal gesorgt und bei einem kleinen Regionalflughafen für einen Ausnahmezustand vom Check-In über das Sicherheitspersonal bis zum Boarding.

Das Boarding war nie leichter als mit einem Flugticket auf der Apple Watch. Zwar braucht es etwas Routine bis das Ticket so dargestellt wird, dass man auch das Handgelenk umdrehen kann um die Uhr auf den Scanner zu halten, ohne das die Watch sich automatisch wieder abschaltet. Hat man den Kniff einmal raus, braucht man nicht umständlich das iPhone aus der Tasche friemeln und sein Handgepäck abstellen/sortieren, sondern kann kurz knapp die Hand über das Lesegerät halten und einchecken/boarden.

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Ähnlich einfach dürfte in den USA das Bezahlen mit Apple Pay laufen. Mit einem Doppelklick auf die Seitentaste aktiviert und schon wird die Zahlung ausgelöst. Sollte dieses Feature in Deutschland endlich kommen, wird bargeldloses Zahlen einfach (und sicher).

9. Wahrnehmung

Die Apple Watch ist und bleibt eine Uhr und wird daher auch (meist) nur als solches wahrgenommen. Dies sollte jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass es ihr Gegenüber am Tisch merken wird, wenn Sie längere Zeit auf die Uhr schauen. Der Höflichkeitsgrad dürfte dabei noch niedriger sein als der ständige Blick aufs Handy, signalisiert man dem Gegenüber doch, dass man permanent auf die Uhr schaut.

Durch die hohe Anpassbarkeit mit Armbändern und Ziffernblätter lässt sich die Apple Watch dem jeweiligen Anlass anpassen. Sei es sportlich modern oder klassisch (elegant?). Das ganze dann noch gepaart mit einer farblichen Abstimmung. Wenn man will…

Cronograph als Watch Face

Fazit

Wer ein revolutionäres, weltbewegendes Produkt erwartet hat, wird nach den ersten Stunden und Tagen eine Ernüchterung erleben. Die Apple Watch ist und bleibt… eine Uhr. Es ist keine „groundbreaking“ oder „amazing“ Revolution, wie sie Steve Jobs bei iPod oder iPhone verkündet hat. Die Apple Watch macht allerdings vieles richtig und stellt sich dabei als Revolution im Kleinen, Alltäglichen heraus. Insoweit muss man Apple zustimmen, dass die Apple Watch wohl das persönlichste Device aus Cupertino ist, denn der Erfolg hängt vom persönlichen Einsatz ab.

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1. Da Apple bislang keine Verkaufszahlen veröffentlicht hat, eine reine Spekulation.
2. Zählt man den Versandkarton mit, sind es insgesamt sechs: Versandkarton, Schutzfolie, Karton, Schutzfolie, Plastikcase, Schutzfolie

Apple und das Widerrufsrecht für digitale Inhalte

In den (anglo-amerikanischenApple affinen) Tech-Medien verbreitet sich zwischen den Jahren die Nachricht, dass Apple seinen Kunden in Europa neuerdings für Käufe im iTunes Store und App Store ein 14-tägiges Rücktrittsrecht einräumt. Entsprechende Links finden sich auch in den aktuellen Belegen des iTunes Stores. Ist Apple unter die barmherzigen Samariter gegangen? Oder aus Sicht der Aktionäre gar verrückt? Kann ich jetzt jeden Film ausleihen und nach dem Anschauen zurückgeben? Was ist mit In-App-Käufen? Kann ich auch diese widerrufen?

1. Widerrufsrecht – Freiwillig oder nicht?

Nun… anders als es die Berichte jenseits des Atlantiks nahelegen, handelt Apple hier wohl nicht ganz freiwillig. Schaut man sich die Passage direkt zu Beginn der iTunes Bedingungen mal genauer an, erkennt man (oder jedenfalls der IT-Rechtler) den Ursprung deutlich:

Widerrufsrecht: Wenn Sie Ihre Bestellung rückgängig machen möchten, können Sie sie binnen 14 Tagen nachdem Sie die Quittung erhalten haben ohne Angabe von Gründen widerrufen. Dies gilt nicht für iTunes-Geschenke, nachdem der jeweilige Code eingelöst wurde.

 

Um Ihre Bestellung rückgängig zu machen, müssen Sie uns über Ihre Entscheidung informieren. Um die unverzügliche Bearbeitung sicherzustellen, empfehlen wir Ihnen für die Stornierung von sämtlichen Artikeln (ausgenommen iTunes Match, Staffel-Pass, Multi-Pass, iTunes Geschenke und Guthabenkonten) “Problem melden” zu nutzen; für die Stornierung von iTunes Match, Staffel-Pass, Multi-Pass, und, sofern nicht bereits eingelöst, iTunes Geschenken und Guthabenkonten empfehlen wir Ihnen den iTunes Support zu kontaktieren. Sie haben ebenfalls das Recht, uns über Ihren Entschluss eine Bestellung zu stornieren zu informieren, indem Sie das Muster-Widerrufsformular verwenden oder eine andere eindeutige Erklärung abgeben. Wenn Sie “Problem melden” nutzen werden wir Ihnen unverzüglich eine Bestätigung über den Eingang Ihrer Stornierung übermitteln.

 

Zur Einhaltung der Widerrufsfrist müssen Sie die Mitteilung über die Stornierung der Bestellung vor Ablauf der 14-Tage Frist absenden.

 

Folgen des Widerrufs: Wir werden Ihnen die Zahlung innerhalb von 14 Tagen nach Erhalt Ihrer Widerrufsmitteilung zurückerstatten. Für die Rückzahlung verwenden wir dasselbe Zahlungsmittel, das Sie bei der Transaktion eingesetzt haben und werden Ihnen hierfür keine Entgelte berechnen.

 

Ausnahme zum Widerrufsrecht: Sie können eine Bestellung für digitale Inhalte nicht widerrufen, wenn die Lieferung mit Ihrer ausdrücklichen Zustimmung und Ihrer Kenntnisnahme, dass Sie dadurch Ihr Widerrufsrecht verlieren, begonnen hat.

 

Muster-Widerrufsformular:

– An iTunes S.à r.l., 31-33, rue Sainte Zithe, L-2763 Luxembourg:

– Hiermit widerrufe ich den von mir abgeschlossenen Vertrag für: [BESTELLNUMMER, ARTIKEL, INTERPRET UND ART EINFÜGEN]

– Bestellt am [DATUM EINFÜGEN] / erhalten am [DATUM EINFÜGEN]

– Name des Verbrauchers

– Anschrift des Verbrauchers

– Datum

 

Die vorgenannte Passage ist an die Formulierung der gesetzlichen (aber nicht verbindlichen) Muster-Widerrufsbelehrung angelehnt (siehe etwa im BGBL S. 3663). Auch der Abdruck des Muster-Widerrufsformulars ist mitnichten freiwillig, sondern entspricht den Anforderungen aus Art. 246a  § 1 Abs. 2 Nr. 1 EGBGB, wonach der Unternehmer den Verbraucher im Falle eines Widerrufsrecht bei Fernabsatzverträgen (§ 312g BGB) über Bedingungen, Dauer und Verfahren des Widerrufsrechts informieren und das Muster-Widerrufsformular bereitstellen muss. Der Unternehmer hat hinsichtlich des Muster-Widerrufsformulars kein Wahlrecht oder Spielraum.

Die Änderungen der iTunes Bedingungen sind daher weniger ein außergewöhnlich kundenfreundliches Entgegenkommen von Apple, sondern eher die längst überfällige Umsetzung der am 13. Juni 2014 in Kraft getretenen Umsetzung der jüngsten Verbraucherrechte-Richtlinie.

2. Verbraucher können Verträge über digitale Inhalte widerrufen

Die Umsetzung der Verbraucherrechte-Richtlinie hat klargestellt, dass auch digitale Inhalte dem Verbraucherschutz unterliegen und damit auch bei dem Bezug von Apps, Musik, Filmen etc. über den iTunes Store oder andere online „Stores“ grundsätzlich ein Widerrufsrecht besteht. Beim „Erwerb“ von digitalen Inhalten über den iTunes Store handelt es sich um einen Fernabsatzvertrag im Sinne von § 312c BGB. Für diese besteht nach § 312g BGB grundsätzlich ein Widerrufsrecht, sofern in § 312g Abs. 2 BGB keine Ausnahme getroffen wurde. Hierzu gehören allerdings (anders als nach hM bisher) nur versiegelte Ton- und Datenträger, die vom Verbraucher entsiegelt wurden. Damit besteht für die Verträge über die Lieferung digitaler Inhalte grundsätzlich ein gesetzliches Widerrufsrecht nach § 312g BGB. Dies gilt übrigens unabhängig davon, ob eine App  gekauft oder ein Film geliehen wird. Die Art des Vertrags (Kauf oder Miete) ist für die Anwendung des Widerrufsrechts irrelevant, solange es sich um eine entgeltliche Leistung handelt. D.h. jede Leistung, die über den iTunes Store entgeltlich von einem Verbraucher bezogen wird, unterliegt dem gesetzlichen Widerrufsrecht.

3. Heißt das, ich kann einen Film leihen und dann innerhalb von 14 Tagen widerrufen?

Kurze Antwort: Jein.

Lange Antwort: Kaufe ich einen versiegelten Tonträger, habe ich ein Widerrufsrecht nur solange ich die Versiegelung nicht breche. Mit anderen Worten: Sobald ich das Werk konsumieren kann, entfällt das Schutzbedürfnis, da mich das Widerrufsrecht nicht vor einem schlechten Film sondern lediglich vor den Besonderheiten des Onlinekaufs schützen soll. Der Gesetzgeber hat nun bei digitalen Inhalten erkannt, dass es daher nicht sein kann, dass der Verbraucher immer innerhalb von 14 Tagen widerrufen kann. Der Gesetzgeber hat daher in § 356 Abs. 5 BGB eine eigene Ausnahme für digitale Inhalte geschaffen, die einen vergleichbaren Schutz zur Versiegelung von Datenträgern erreichen soll.

Danach erlischt das Widerrufsrecht des Verbrauchers bei digitalen nämlich bereits mit Beginn der Ausführung des Vertrags (sprich Abrufmöglichkeit des digitalen Inhalts) begonnen hat. Wie bei einem versiegelten Datenträger erlischt das Widerrufsrecht allerdings bevor der Verbraucher das Werk in irgendeiner Art und Weise nutzen kann. Also alles für die Katz? Nein, denn die Verkürzung des Widerrufsrechts ist an drei Bedingungen geknüpft, die der Unternehmer erfüllen muss:

  1. der Verbraucher muss ausdrücklich zustimmen, dass der Unternehmer vor Ablauf der Widerrufsfrist mit der Ausführung beginnt,
  2. der Unternehmer muss den Verbraucher darüber informieren, dass in dem Fall, das Widerrufsrecht vorzeitig erlischt und
  3. der Verbraucher muss seine Kenntnis von 2. bestätigen.

Nur wenn diese drei Bedingungen vollständig erfüllt sind, erlischt das Widerrufsrecht. Die Änderungen der iTunes Bedingungen alleine reichen daher nicht aus (allenfalls für Bedingung 2). Für ein wirksames Erlöschen des Widerrufsrecht muss der Kunde beim App-Kauf oder dem „Leihen“ eines Films ausdrücklich bestätigen, dass Apple den jeweiligen Inhalt sofort (also vor Ablauf der Widerrufsfrist) bereitstellt und der Kunde sich dessen bewusst ist, dass dann sein Widerrufsrecht erlischt. Bei meinem letzten App Kauf ist mir das jedoch nicht aufgefallen. Insoweit bleibt es wohl derzeit bei der gesetzlichen Widerrufsfrist.

Ungeachtet davon muss für den Beginn der 14-tägigen Widerrufsfrist ordnungsgemäß über das Widerrufsrecht belehrt worden sein (Art.  246a § 2 Abs. 2 Nr. 1 EGBGB). Dies beinhaltet u.a. die Belehrung über den Beginn des Widerrufsrechts. Diesbezüglich habe ich allerdings meine Zweifel, ob die gewählte Formulierung „binnen 14 Tage nachdem Sie die Quittung erhalten haben“, wirklich den gesetzlichen Anforderungen bzw. den tatsächlichen Vertragsmodalitäten entspricht. Falls nicht, kann sich das Widerrufsrecht gemäß § 356 Abs. 3 BGB sogar auf 12 Monate und 14 Tage ab Vertragsschluss erstrecken.

4. Was gilt bei In-App Käufen?

Mit den sog. „In-App Käufen“ bietet Apple seinen Entwicklern Apps kostenlos oder gegen einen (niedrigen) selbst gewählten Preis anzubieten und bestimmte Zusatzfunktionen oder -leistungen der App erst zu einem späteren Zeitpunkt in der App selbst entgeltliche zu beziehen. Auch hier handelt es sich wohl regelmäßig um einen digitalen Inhalt und damit um einen selbständigen Vertrag, der dem Widerrufsrecht unterliegt (unabhängig davon, ob kostenlose Apps dem Verbraucherschutzrecht unterliegen oder nicht). Gerade bei In-App Käufen ist es daher besonders wichtig, die Bedingungen des § 356 Abs. 5 BGB zu erfüllen um das Erlöschen des Widerrufsrechts zu bewirken.

5. Fazit

Auch wenn weder digitale Inhalte noch das Verbraucherschutzrecht neue Erscheinungen sind, zeigt doch gerade das Beispiel, dass beides nicht einfach unter einen Hut zubekommen ist. Insbesondere wenn der Vertrieb über eine weltweit einheitliche Plattform erfolgt, scheint die Einhaltung der diversen Voraussetzungen des Verbraucherschutzes schwierig. Es ist aber grundsätzlich zu begrüßen, dass Apple in Europa den Anforderungen an den Verbraucherschutz insoweit nachkommt.

Apple & Privacy

Nach der Aufregung um geleakte Selfies aus der iCloud und die Ankündigung der neuen datenschutzrelevanten Dienste „Health“ und „HomeKit“ in iOS8 und dem neuen Bezahldienst ApplePay geht Apple nun in die Offensive um seine Kunden über Privatsphäre und Datenschutz bei Apple zu informieren.

In einem für Apple typischen Statement wendet sich Tim Cook persönlich an die Kunden um mögliche Bedenken zu beruhigen. Wer es mit Datenschutz und Privatsphäre ernst meint, sollte nicht nur wohl formulierte Sätze platzieren sondern seine User aufklären. Auch in soweit hat Apple seine (Marketing-) Lektion gelernt und gibt lesenswerte Auskunft über die Verwendung von Daten durch Apple, die Auskunftsersuchen staatlicher Behörden.

Zusätzlich gibt es eine Reihe (selbstverständlicher) Tipps für besseren Datenschutz unter Mac OS X und iOS8.

Ist Facebooks Graph Search wirklich ein datenschutzrechtliches Problem?

Die Ankündigung des sozialen Netzwerks Facebook, eine umfassende Inhaltssuche einzuführen, ließ schon erahnen, dass sie bei Datenschützern sofort zu Schnappreflexen führen würde.

Die Reaktion folgte dementsprechend prompt. Der in Sachen Facebook federführende Landesbeauftragte für den Datenschutz aus Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, äußerte nach der Ankündigung umgehend seine Bedenken. Sein erstes Fazit, er fände die angekündigte Suche nicht toll, sei als persönliche Meinung respektiert, aber ist es auch tatsächlich datenschutzrechtlich begründet?

So zitiert die FAZ den Datenschützer mit den Worten:

„Die Suchfunktion, die wir vom Internet kennen, wird jetzt in den Freundeskreis hineingezogen, mit der Folge, dass hochsensible Informationen auch Dritten zur Kenntnis gelangen. […] Hier wird definitiv ein weiterer Eingriff ins Datenschutzrecht vorgenommen, der meines Erachtens nicht akzeptabel ist.“



Gemeint sind damit künftig mögliche Suchen, die auf persönlichen Daten beruhen, etwa die Suche „Bars in Stuttgart, die meinen Freunden und deren Bekannten aus Stuttgart gefallen“. Dem Zitat von Weichert folgend wird man als Nutzer künftig Informationen Dritter erhalten, die einem bislang nicht zugänglich waren. Das wäre natürlich ein dicker Hund, wenn künftig Hinz und Kunz wüssten, welche Bars mir gefallen und was ich damit in Verbindung bringe.

Aber ist das wirklich so? Der Facebook Public Policy Manager Nicky Jackson Colaco wurde genau dazu interviewt und seine Antwort:

„No one can see anything that they wouldn’t have otherwise been able to see. […] We don’t want people to be surprised. It’s really bad for them … and it’s bad for us.“



Facebook ist sich also bereits durchaus bewusst, dass die neue Suche bei Bedenkenträgern nicht auf Gegenliebe stoßen wird. Festzuhalten bleibt, dass sich die neue Graph Search an den Privatsphäre Einstellungen der einzelnen Nutzer hält und somit Suchergebnisse durch diese beeinflusst werden. Wenn ich engen Freunden mitteile, welche Bars mir in Stuttgart gefallen, dann erhalten nur diese meine Empfehlung in ihrer Suche angezeigt. Entfernte Bekannte oder gar Dritte, die mit mir auf Facebook nicht befreundet sind, sondern lediglich „Freunde von Freunden“ sind, erhalten diese Empfehlung hingegen nicht. Anders als das Zitat von Thilo Weichert es vermuten lässt, ermöglicht Graph Search keinen unkontrollierten Zugriff auf (weitere) personenbezogene Daten durch Dritte. Insoweit findet keine weitergehende Weitergabe personenbezogener Daten statt als bisher. Es wird höchsten leichter die Informationen zu finden.

Dies bedeutet nicht, dass die neue Suche nicht überraschende oder gar unangenehme Folgen für Nutzer haben kann. So zeigen erste Versuche, das gerade Facebook Nutzer, die unbedarft und unüberlegt ihre Likes im Netz verteilen, durch die Suche in misslichem Kontext dargestellt werden können, wie etwa Gizmodo aufgezeigt hat. Die neue Graph Search verdeutlicht damit eindrucksvoll, was auch bisher schon als Maxime auf Facebook zu beachten war: Think before you post or like!

Facebook bietet dank der vielen Proteste zum Datenschutz mittlerweile umfangreiche Möglichkeiten an, um Informationen nur ganz gezielt einzelnen Personen zugänglich zu machen oder diese wieder zu entfernen. Es sollte daher jeder vor der Einführung der Graph Search sein eigenes Profil genau unter die Lupe nehmen und ggf. missliche Posts, Bilder oder Likes entfernen.

Der oben zitierte Vorwurf ist jedoch nach den bisherigen Aussagen Facebooks nicht begründet. Facebook Nutzer werden allerdings künftig stärker denn je darauf achten müssen, welche Inhalte sie mit wem auf Facebook teilen, denn die Graph Search wird ein altes Sprichwort in seiner ganzen Härte verdeutlichen: Das Internet vergisst nicht.

Facebook Graph Search – die Suchmaschine, die nur aus personenbezogenen Daten besteht

Facebook hat heute die neue Suche „Graph Search“ vorgestellt. War es bislang nur möglich nach Personen oder Facebook Seiten zu suchen, wird Graph Search Facebook und möglicherweise auch die Art, wie Facbeook-Nutzer nach bestimmten Dingen suchen bzw. googlen verändern. Google hat mit der Einführung von Google+ bereits angefangen personalisierte Sucherergebnisse von Google+ Bekannten in die „normale“ Google-Suche einzupflegen. Mit Graph Search führt Facebook nun wohl die erste Suchmaschine ein, die nur aus personalisierten Suchergebnissen und damit aus personenbezogenen Daten besteht.

Die Einführungseite sowie der Bericht von wired über die Entstehung von Graph Search lassen erahnen, was Graph Search alles ermöglichen wird. Graph Search ist letztlich nichts anderes als eine Suche durch alle dem Facebook-Nutzer zugänglichen Informationen auf Facebook. Der „Graph“ bezieht sich dabei auf den von Facebook gehegten und gepflegten „Social Graph“, der sämtliche Interaktionen auf Facbeook zu einer Person sammelt und diese mit anderen verknüpft. Graph Search ermöglicht nun sämtliche freigegebenen Inhalte auf Facebook nach beliebigen Kriterien zu durchsuchen. Als Ergebnis erhält man Empfehlungen von Restaurants, Bars, die Freunden gefallen haben oder die Freunde häufig besucht haben. Auch Bilder die Freunde (und gar Freunde von Freunden?) hochgeladen haben, lassen sich künftig wohl einfachst durchsuchen.

Postprivacy-Anhänger liegen sich jubelnd in den Armen, während die Freude im Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz in Schleswig-Holstein merklich kühler ausfallen dürfte, denn mit Graph Search werden sicherlich einige datenschutzrechtlichen Diskussionen wieder angeheizt.

Wann darf ich personenbezogene Daten zu Werbezwecken nutzen?

Die im August abgelaufene Übergangsfrist über die Verwendung personenbezogener Daten (die vor dem 1. September 2009 erhoben wurden) hat in vielen Vertriebs- und Marketingabteilungen für Aufregung gesorgt, da viele befürchteten, dass sie keine Werbung mehr an Ihre Kunden schicken dürfen. Zentrale datenschutzrechtliche Grundlage (neben § 7 UWG für das Wettbewerbsrecht) ist § 28 Abs. 3 BDSG. Eine Norm, bei der der klassische Schulspruch „Ein Blick ins Gesetz erleichtert die Rechtsfindung“ einen schweren Stand hat. Es ist daher zu begrüßen, dass Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht nun als federführende Aufsichtsbehörde in der Arbeitsgruppe „Werbung und Adresshandel“ klar Anwendungshinweise (pdf) herausgegeben hat.

Die Anwendungshinweise des LDA erklären die einzelnen, teilweise verschachtelten (oder gar versteckten?) Zulässigkeitsvoraussetzungen für die Verwendung personenbezogener Daten gut. Zwar lassen die Hinweise auch weiterhin Interpretationspielraum an der einen oder anderen Stelle zu, sind jedoch bereits eine erste Hilfe für alle Werbetreibenden. Leider sind die datenschutzrechtlichen Anforderungen nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite, die wettbewerbsrechtlichen Voraussetzungen, die sich nicht mit den datenschutzrechtlichen Anforderungen decken, werden leider nur am Rande erwähnt.

besonders feine footnotes